30. Tag Citalopram - einfach alles scheiß egal... Gefühllos
Keine Ahnung, ob ich mich glücklich schätzen soll oder nicht, mir ist seit Tagen einfach alles nur scheiß egal. Wirklich. Ich rege mich evtl kurz auf oder freue mich kurz, aber es ist jeweils sooo kurz, dass es mir kaum in Erinnerung bleibt. Heute habe ich mich gefühlt wie ein Stück Fleisch, das durch die Gegend geht, aber ziellos ist und nichts fühlt. Ich habe mir sogar gewünscht, dass es 5° kälter ist, damit ich wenigstens die Kälte spüre. Aber es war nicht so kalt. Dennoch habe ich einen Spaziergang gemacht, zu einer Freundin, die gerade krank ist. Ich habe ihr Tee mitgebracht. Und dann wollte ich aber schnell wieder weg. Auch weil Fussball angefangen hat. Leider hat mein Verein verloren, mal wieder. Und ich wollte auch hier schon vor Abpfiff gehen.
Jetzt bin ich daheim, mir ist egal, was noch passiert, mir ist egal, dass ich 5 kg zugenommen habe, dass ich nur noch Mist esse. Mir ist auch egal, dass ich meine Alkoholfreie Zeit nicht konsequent durchziehe. Mir ist es unangenehm, länger mit Menschen zu kommunizieren. In den letzten 2 Tagen habe ich insgesamt vielleicht 15 Sätze gesprochen? Ich möchte einfach nicht.
Es gibt aber Menschen, bei denen spüte ich, dass sie mir Energie entziehen. Andere widerum, die das nicht tun. dennoch, ich schaffe es gerade nicht, länger mit Leuten zu reden. Oder einfach da zu sein.
Ich habe kein Interesse daran, Situationen, in denen ich mich ungerecht behandelt fühle, wirklich anuzsprechen und das Problem zu klären. Ich will einfach gerade gar nichts. Außer lesen und TV schauen.
Ich werde morgen die Dosis erhöhen und schauen, ob es dann besser wird. Oh mann. Was für ein beschissenes Leben.
EDIT:
Ich bin einfach gefühllos. Und ich frage mich, wieviel davon das Citalopram ist und wieviel ich und welcher Teil auf die Depression zurückgeht. Seit gut einer Woche gehts mir wieder mies. Ich zeige alle Symptome einer Depression - mit gehobener Stimmung, was ich einfach als "unrichtig" empfinde. Ich meine... natürlich will ich nicht in diesem bodenlosen Loch sein. Aber ich möchte mich auch mal wieder freuen! Oder mich ärgern? Einfach ne Gefühlsregung haben, weil so scheint alles dermaßen sinnlos, dass ich wirklich den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen / liegen könnte und lesen, TV schauen oder am liebsten pennen. Das is nicht witzig!
Es ist so sinnlos. Zusätzlich mache ich mir manchmal Gedanken darüber, dass ich zwar qualifiziert für verschiedene Jobs bin, es mir aber nicht zutraue und mich daher nirgends bewerben will. Vielmehr spüre ich einen Fluchtreflex, wie ich ihn kaum kenne und möchte am liebsten ohne Tschüß zu sagen auswandern. Dass es keiner mitbekommt. Ich strafe meine "Freunde" bei Facebook mit Nicht-Anschreiben. Ich erstelle dort Chatlisten, die ich offline stelle, damit die nicht sehen, dass ich online bin. Ich spreche mit meiner Mitbewohnerin / Exfreundin kein Wort, oder kaum eins. Ich versteck mich in meinem Zimmer, rauche und habe kein Problem damit, einfach nur alleine zu sein.
Gott, ich will wieder was fühlen! Und nicht nur für einen kurzen Augenblick. Ich wurde gestern und heute insgesamt 3x versetzt und eine wichtige Freundin hatte keine Zeit für mich. Ähm... Das müsste mich doch eigentlich stressen? Stattdessen schau ich weiter TV und lese in der WErbung, rede kein Wort und denk mir... WAS bist Du eigentlich?
Jetzt habe ich in Foren gelesen, dass das eine natürliche Wirkung des Citaloprams sei, dass die Gefühle wiederkommen nach (!!!) 4-6 Monaten und dass ggf. eine Erhöhung der Dosis was bringt. Vor allem, wenn man nicht stabil ist. Aber ich bin ja stabil - stabil gefühllos. Hmm...
Diese Psychopharmaka. Ich meine... HEY, es gibt soooooo viele Leute mit Depressionen! Wie krass ist das? War das früher auch schon so? So in der Nachkriegszeit? Im Mittelalter? In der Steinzeit? Ich habe heute eine Doku über die ERoberer der Neuen Welt auf arte gesehen, sehr interessant. Die eine hat im Film (jaja, Drehbuch) ihren Vater verloren und war monatelang darbend auf dem Atlantik alleine in einem Boot mit ihrem Bruder und einem Clanmitglied. Ähm... Wird man da nicht depressiv?
Wieso sind so viele Menschen depressiv? Liegt es an unserer Leistungsgeseellschaft? Wo kann ich das rausbekommen? Und auch Zahlen, die zeigen, wie sich das in den vergangenen Jahren verändert hat?
Vor allem... werde ich irgendwann wieder einfach normal? Überhaupt mal normal?!
Mein Gott.... Am Freitag habe ich wieder ein Gespräch mit einem Verhaltenstherapeuten und ich hoffe sehr, dass er passt und mir das was bringt.