Gedanken zu Liebe (Erwartungen)
Solange ich nicht an jemanden denken kann, ohne dabei an mich zu denken, bin ich abhängig und nicht frei in meiner Entscheidung des Kontaktes. Wer genau nachdenkt, wird sich Momenten entsinnen, in denen er ausschließlich an den anderen dachte. Aber viel öfter wird er feststellen, dass er dabei am Ende an sich dachte und das mehr oder weniger bewußt. Dies soll keine Diskussion darüber sein, ob Altruismus ein versteckter Egoismus ist oder andersherum. Alles spielt ineinander. Aber es geht um den Moment. Es geht um das reine Geben in dem Moment. Der nächste Moment, nur wenige Bruchteile einer Sekunde - oder auch mehrere Wochen bei einem Kontakt über Flaschenpost - ist für denselben wieder ein Moment des Empfangens. Es ist ein stetiges Gleichgewicht, bzw. ein solches wird angestrebt, denn nur eine Harmonie von Auf und Ab, von schön und unschön, von geben und empfangen führt zu Ausgeglichenheit. Oder eben der Stillstand. Man denke an die zahlreichen Menschen, mit denen man noch nie Kontakt hatte, Menschen, die man nicht kennt. Sie befinden sich auf der Emotionswelle auf dem Nullpunkt. Jedoch führt eine Lebensphilosophie, die den interpersonellen Kontakt gänzlich ausschließt, zu einem Verharren, zu Stillstand. Die Zeit jedoch läuft weiter, der Körper altert und sehnt sich nach Bewegung. Wandel ist zweifellos eine Kraft, die uns treibt. Wer nicht mitschwingt, sondern sich durch Stillstand weigert, kann hier keine Harmonie finden. Auch sind Ängste (Arachnophobie beispielsweise) Anzeichen dieses Stillstandes. Ängste, die lähmen, sind hier gemeint. Nicht die Angst, die einen überkommt, wenn man vor einem Abgrund steht, denn hier ist sie Lebensretter, aber dem wird jeder zustimmen. Es sind Ängste gemeint, die lähmen, die den Patienten leiden lassen. Die Natur lebt und bewegt sich und lässt uns Begegnungen aller Art haben. Wer nicht mitschwingt aufgrund seiner Angst, blockiert sich selbst und erfährt widerum eine Lähmung von außerhalb. Und ist am Ende unglücklich, da er merkt, dass er nicht mitschwingt. Hier ist nicht gemeint, auf der Welle mitzuschwimmen, auf Mode- oder politisch geprägten Wellen. Jedem steht frei, zu denken und zu meinen, was er möchte. Aber er sollte die Schwingung wahrnehmen und auf seine Art mitschwingen. Es ist actio und reactio, bzw. aktiv geben (auch wenn man sich dabei sehr passiv fühlen kann) und passives empfangen (denn was auf einen zukommt, kann man nicht voraussagen). von nehmen kann und darf hier nicht die Rede sein, denn Nehmen ist aktiv, ist verbunden mit Erwartung und Erwartung ist ein Phänomen intelligenter Wesen. Ist ein Phänomen der Erfahrung. Erwartung mag häufig zutreffen, allerdings können Erwartungen nur sicher auf primitive naturwissenschaftliche Phänomene angewendet werden. Die Statistik ist eine Wissenschaft der Erwartungen und inwieweit diese Erwartung zutrifft. Hier gibt es seltenst eine 100%ige Erfüllung der Erwartungen. Menschen sind komplizierte Wesen in einem komplizierten Gefüge, sind uneinheitlich, sind frei oder unfrei in sich selbst und reagieren unberechenbar. Unberechenbarkeit ist vielen Menschen ein Gräuel, denn sie haben keine Sicherheit, was ihre Erwartungen angeht. Meinen sie. Sicherheit ist da. Die Sicherheit ihrer selbst, die Sicherheit ihrer eigenen Gefühle. Wenn ich verliebt bin und mein geliebter Mensch ist mir noch fremd, bin ich unsicher, was seine Gefühle angeht. Aber ich bin mir sicher, was meine Gefühle angeht. Oder etwa nicht? Am Ende ist es die eigene Unsicherheit sich selbst und seinen Kräften, seinen Gefühlen und Gedanken, Reaktionen gegenüber, die uns lähmt. Wer unsicher ist, wie ein anderer für einen fühlt, sollte in sich hineinfühlen, ganz genau zuhören, alle kleinen Schwingungen und sich so die Sicherheit über die eigenen Gefühle holen. Denn am Ende ist das alles, was wir können.
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