Leben ohne Sertralin mit anderen "Muntermachern"

Veröffentlicht auf von Der Autorrr

Meine Güte, es ist lange her, dass ich das letzte mal gepostet habe. Mir ist "was" dazwischengekommen. Einiges, das meinem Leben wieder einen Sinn gibt. Zum Beispiel das Football. Ich bin nun seit ein paar Monaten dabei und fühle mich inzwischen auch als Teil des Teams. Meine Position derzeit ist Defense Line, aber der Coach will, dass ich auch Tight End spiele. Für alle Footballunwissenden: Ganz vorne in der Mitte :)

Sertralin und andere Medikamente, die ich in Betracht gezogen habe, sind inzwischen passé. Ich habe eine liebe Freundin, die mir einen so starken Rückhalt gibt, dass ich ohne Chemie von außen durch den Tag komme. Auch neue Aufgaben in meiner geliebten Heimat halten mich auf Trab.

Ich denke, dass mein neuer "Muntermacher" mir etwas gibt, was kein Antidepressivum mir hätte geben können: Geborgenheit und ein Sicherheitsnetz, das unter mir hängt, falls ich mal falle. Wenn ich z. B. an einem Tag Unwohlsein empfinde, mich selbst nicht mag, weil ich in meinen Augen einen Fehler gemacht habe. Ich falle nicht mehr so tief und rappel mich schneller wieder hoch.

Was mir immer wieder durch den Kopf geht und wofür ich diejenigen ins Gesicht schlagen könnte, die mir das eingetrichtert haben: Man muss alleine sein können... Warum denn? Wenn ich mich mit anderen Menschen viel wohler fühle? Warum gehen Menschen Beziehungen ein? Warum heiraten Menschen und bleiben, sogar heute noch, bis zu ihrem Lebensende zusammen? Wir Menschen sind Sippentiere, wir sind keine Einzelgänger. Warum also haben diese Leute mir eintrichtern wollen, dass ich so nicht gut bin, wenn ich immer jemanden brauche?

Ich habe auch neulich in der süddeutschen einen interessanten Artikel gelesen: Es ging um eine Studie über Kinder der hawaiianischen Insel Kauai, die in ihrer Kindheit Misshandlungen erlitten hatten und somit einen schlechten Start ins Leben hatten. Dennoch haben einige von ihnen ihr Leben gut gemeistert. Der Grund sei eine Vertrauensperson, an die sich die Kinder halten konnten. Dies müssen nicht einmal Eltern sein. Es können auch Lehrer oder Freunde oder gar ein Promi sein, an den sich die jungen Leute "klammern" können, auf den sie sich berufen. Der allergrößte Schutz im Leben sei die Bindung.Diese kann viele schlimme Faktoren in ihrer Schwere herabsetzen, sodass der Mensch wieder aufstehen kann.

Das ganze nennt man Resilienz. Und ich würde sagen, dass ich Resilienz im letzten Jahr an mir selbst sehr sehr deutlich gespürt habe. Resilienz, die Fähigkeit, aus Rückschlägen wieder hochzukommen.

Dumm sind sie, die mir weismachen wollten, dass ich nur stark bin, wenn ich alles alleine schaffe. Liebe Leser, ich habe festgestellt, es werden mehr. Ich möchte Euch sagen, dass ihr euch nicht schämen braucht, wenn ihr jemanden an eurer Seite habt und es ohne ihn nicht gehen würde. Ich bin immernoch der Meinung, dass wir alle Sippentiere sind, die ein Gegenüber brauchen. Sei es als Halt oder auch als Spiegelbild unserer Selbst.

Was mir, neben meinem Schatz, auch geholfen hat, sind die regelmäßigen Trainingseinheiten mit den Mädels, die ich zweimal die Woche sehe - aber dann auch garantiert - und mit ihnen etwas ganz anderes mache - nämlich Sport - als sonst die Woche über. Neue Kontakte und Gesprächsthemen, auf die ich sonst nicht komme, das schafft wirklich Abwechslung auch für die Psyche. Und die Bewegung tut mir einfach gut. Es ist aber ein Teamsport. Und beim Football ist es so wichtig, dass alle im Spielzug das richtige machen, also ihre Aktionen im Einklang mit den anderen eingeübt haben. Auch eine Form sozialen Verhaltens, oder? Ich will damit sagen, dass ich mit Joggen oder anderem Einzelsport nicht diese "Entspannung" hätte.

 

Stürzt euch ins Getümmel, lernt Leute kennen, macht mal was ganz anderes! Ich hätte nie gedacht, dass ich in einer Sportart gut sein könnte, aber ich sags euch: Ich bin ziemlich schnell und bekomme ständig Lob (schmeichelt der Seele :)). Macht mal was komplett neues und schaut, ob ihr, wenn ihr aus dem depressiven Trott herauskommt, nicht auch so Besserung verspüren könnt.

 

Mit viel Enthusiasmus wünsche ich euch einen schönen Abend. Bis hoffentlich bald!

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Veröffentlicht in Gedanken

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M
<br /> hello,<br /> <br /> deine posts sind alle interessant .... toll, wie du dein leben ohne sertralin meisterst!<br /> wie ist es dir in der zwischenzeit ergangen? machst du noch brav sport und bist den ganzen tabs fern geblieben?<br /> <br /> lg mexx<br /> <br /> <br />
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