22. Tag Citalopram - ereignisreiche Woche und wenige Gefühle
Ich bin zwar froh, dass das Citalopram mein Gefühlschaos auf ein sehr erträgliches Maß zurückstutzt aber ich kenne mich ja und weiß ja, wie ich in verschiedenen, emotional belastenden Situationen reagieren und fühlen würde. Ich habe in dieser Woche ein paar solcher Momente gehabt, die alle für sich das Potential gehabt hätten, mich in eine Krise zu stürzen, aber ich bin jeweils fast gefühllos da durch und raus. Wie gesagt, auf der einen Seite ist das toll, denn ich konnte weiter LEBEN, auf der anderen Seite... Ist es einfach ungewohnt. Und ich fühle mich schon teilweise wie ein Zombie. Oder ist es das, was andere fühlen? So wenig? Dass die Erschütterung nur marginal ist? Und bei mir eben viel zu krass?
Ich wurde zum Beispiel von meinem Therapeuten nicht angenommen. Also ist es gar nicht mein Therapeut. Aber wir hatten 2 probatorische Gespräche und er war einfach nur derbst konfus. Ich meine, mein Leben ist komplex! Und es sind viele Details, die mir zu schaffen machen, wobei ich persönlich, nach vielen Analysen, alles auf einen Nenner - Verlustangst - runterbrechen würde. Und mein Leben gestaltet sich mit dieser Angst. Er meinte dann auch, ich habe eine gravierende Angststörung. Aha. Ich weiß zwar nicht, wie er darauf kommt... Vor allem, dass die Angststörung gravierend sei. Aber gut, ich werd ja eh nicht mehr hingehen :)
Sehr ihr und normalerweise würde ich mich vermutlich arg zurückgestoßen fühlen und erstmal nachgooglen, was man bei Angststörungen macht, und ein Teil in mir meldet sich auch mit diesem, vermutlich gelernten, Verhalten. Aber ich machs kaum, das googlen auf jeden Fall nicht. Es kotzt mich schon an, dass er mich nicht in eine Thera nehmen will, aber der stärkste Teil in mir sagt: Ok, so isses halt.
Dann hatte ich Knatsch mit meinem Coach. Das war im Grunde das emotionalisierendste diese Woche. Ich hab auch echt einiges an Angst gespürt. Aber viiiiiiieeeel schneller und leichter konnte ich diese Situation handhaben. Und jetzt stehe ich mit einer Fastneutralität nach einem klärenden Gespräch, da und es ist ok. Gott, ich weiß ganz genau, dass ich eigentlich jetzt AUSTICKEN müsste!
Dann hatte ich ein Date. Sie war wirklich sehr sehr attraktiv, in allen Bereichen. Eigentlich subjektiv betrachtet Traumfrau. Und es war ein lustiger Abend. Aber am Ende hat sie mir nen Korb gegeben. Als ich meinte, von mir aus könnten wir uns gerne nochmal treffen. Scheinbar habe ich ausgesendet, dass ich jetzt schon mehr will, wozu ich eigentlich gar nicht in der Lage sein dürfte... Da meine Gefühle soooo dermaßen gedämpft sind, dass ich gar nicht so viele Gedanken haben kann, die mit "mehr" zu tun haben. Jedenfalls meinte sie, wenn dann freundschaftlich. Ich sei echt nett und so, aber im Grunde hat sie direkt nach einem Abend gewusst, dass das alles sei. Wie erwachsen das ist, überlasse ich jeweils der Interpretation des Lesers. Ich finde es zum Teil auch gut, dass sie ehrlich war, es änderte aber schlagartig mein, relativ neutrales, Bild von ihr. Ich werde also vorsichtig sein und warten. Auch DAS hätte mich eigentlich runtergezogen, dass ich mir sage: Ich mache nie wieder Dates aus, alle sind doch scheiße und sowieso ist die Welt doch gegen mich... Naja, ich würde sagen, dass Gott mich nicht mag und mich scharf macht, um mir dann den Abend zu versauen. Er ist einfach... Gemein.
Jaaaa und am selben Abend bin ich dann noch mit meiner Ex-Ex-Freundin auf ne Party gegangen... Wir haben ziemlich schnell ziemlich viel getrunken. Ich hatte aber nicht vor, sie abzufüllen, sondern einfach mich abzufüllen... Warum auch immer. Ich habe mich derbe danebenbenommen, was mit, relativ neutral, auch leid tut. Jedenfalls haben wir uns plötzlich geküsst. Und in dem Moment hat sichs auch gut angefühlt. Aber... die Beziehung ist seit 3 JAhren vorbei und ich weiß, dass wir nicht mehr die Beziehung von damals leben können. Dafür haben wir uns viel zu sehr auseinanderbewegt. Und sie hat mir an dem Abend verständlich gemacht, dass sie immernoch was von mir will. Oder jedenfalls eine Beziehung, die so ist, wie unsere war. Ganz klar, das war eine super Beziehung. Aber sie war eben irgendwann vorbei. Als mein Gehirn angefangen hat, umzudenken, anders zu interpretieren, Verhalten neu zu lernen.
Tja... Neutralität, wohin ich mich begebe. Mir fehlt aber auch ein bisschen dieses wohlige Hochgefühl. Und ich bins einfach nicht gewöhnt, wie es gerade ist. Vor allem mache ich mir Sorgen, wie es sein wird, wenn ich dann irgendwann die Medis absetze! Ich werd sie ja nicht mein Leben lang nehmen können... Der Therapeut sagte mir, ich solle sie noch weiterleben, da sie mich gerade sehr entlasten. Und das schon mit der Dosis 20mg. Und dass mein Gehirn dysfunktionales Verhalten und vermutlich auch einen dysfunktionalen Stoffwechsel gelernt hat. Er meinte auch, dass das Citalopram dabei helfen könnte, dass ich dieses Verhalten wieder umlerne und sich in meinem Gehirn neue neuronale Verbindunen bilden könnten. Das wäre natürlich ... klasse.
Ich werde das Citalopram weiternehmen und mich beobachten und vergleichen mit früherem Verhalten. Wünsche Euch allen ein schönes Wochenende.